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Johannes Klemt
Doreen Schulze
Das Foto zeigt Doreen Schulze.

Doreen Schulze, Mitglied der Gemeindevertretung Am Mellensee, Fraktion SPD/Die Linke

Wenn Familien fehlen, darf die Antwort nicht nur Kürzung heißen

Am Mellensee steht vor einer politischen Richtungsentscheidung: Wollen wir den demografischen Wandel nur verwalten – oder wollen wir aktiv dafür sorgen, dass Familien hier eine Zukunft haben?

Die Entwicklung ist deutlich: Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Kinderzahlen, Kita-Plätze und Personal wurden ausgebaut. Nun sinken die Belegungszahlen: von 304 Plätzen im Juli 2025 auf 272 ein Jahr später. Für 2027 werden rund 256, für 2028 nur noch etwa 230 belegte Plätze erwartet. Die Folge: Ab Sommer 2027 rechnet die Verwaltung mit einem Personalüberhang von 11,7 Vollzeiteinheiten – rund 14 Beschäftigten.

Erst mehr Kinder – dann weniger Personal

Als Familien zuzogen und neue Wohngebiete geplant wurden, musste die Gemeinde Betreuungskapazitäten schaffen. Die neue Kita in Mellensee wurde eröffnet. Heute wird gleichzeitig festgestellt, dass größere Bauvorhaben in Mellensee, Saalow und Klausdorf voraussichtlich nicht umgesetzt werden.

Damit darf sich die politische Debatte nicht auf die Formel „Weniger Kinder = weniger Personal“ reduzieren. Die entscheidende Frage lautet: Warum fehlen Familien – und was tut die Gemeinde dagegen?

Familien brauchen bezahlbaren Wohnraum, gute Kitas und Schulen, sichere Wege und eine funktionierende Infrastruktur. Wenn Wohnraum fehlt und Bauvorhaben ausbleiben, darf die Gemeinde nicht einfach auf sinkende Kinderzahlen reagieren, als seien diese ein unabänderliches Schicksal.

Die neue Kita – und die verpasste Entwicklung

Die neue Kita steht heute für eine Planung, deren Voraussetzungen sich verändert haben. Das Land finanziert pädagogisches Personal auf Grundlage der Kinderzahlen. Darüber hinausgehendes Personal müsste die Gemeinde selbst finanzieren – angesichts der Haushaltslage kaum dauerhaft möglich.

Das ist haushalterisch nachvollziehbar. Aber es ist keine politische Antwort auf die Frage, wie Am Mellensee wieder attraktiver für Familien werden soll.

Wer ausschließlich Stellen abbaut, spart kurzfristig Geld. Er verändert aber nicht die Ursache des Problems.

Was ist uns unsere soziale Infrastruktur wert?

Die Gemeindevertretung muss deshalb über Prioritäten sprechen. Nicht nur: „Wie viele Erzieherinnen können wir uns leisten?“ Sondern auch: „Was sind wir bereit zu tun, damit Familien hier bleiben oder neu zu uns kommen?“

Dazu gehört vor allem bezahlbarer Wohnraum. Eine Gemeinde kann nicht gleichzeitig Familien gewinnen wollen und darauf warten, dass der Wohnungsmarkt das Problem von allein löst.

Investieren geht offenbar trotzdem

Für die neue Feuerwache in Mellensee werden weiterhin erhebliche Mittel eingesetzt; das Land fördert das Projekt mit 960.000 Euro. 2026 kamen weitere 880.000 Euro für zwei Löschgruppenfahrzeuge hinzu.

Feuerwehr und Katastrophenschutz sind unverzichtbar. Aber gerade deshalb muss die Gemeindevertretung offenlegen, nach welchen politischen Maßstäben Investitionen priorisiert werden, wenn gleichzeitig bei der sozialen Infrastruktur über Personalabbau gesprochen wird.

Es geht nicht um Feuerwehr gegen Kita. Es geht darum, welche Zukunft Am Mellensee gestalten will.

Am Mellensee braucht eine Zukunftsstrategie

Nötig ist eine aktive Familien- und Wohnbaupolitik: bezahlbarer Wohnraum, verlässliche Kitas und Schulen, gute Bedingungen für Beschäftigte und eine vorausschauende Planung von Wohnungsbau und Infrastruktur.

Kinder sind kein Haushaltsproblem. Sie sind Zukunftspolitik.

Deshalb sollte die Gemeindevertretung nicht nur darüber beraten, wie viele Stellen gestrichen werden müssen. Sie sollte darüber entscheiden, warum junge Familien fehlen – und was Am Mellensee konkret dagegen unternehmen will.

Denn Personalabbau ist eine Reaktion. Eine Familienstrategie wäre Politik.


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