Vielfalt und Gleichberechtigung – selbstverständliches ist nicht selbstverständlich
Akzeptiert werden, sich selbst frei entfalten können, seine Rechte aus unserem Grundgesetz wahrnehmen, gesehen werden, gleichberechtigt sein – alles, was in unserem Land eigentlich selbstverständlich sein sollte, wird nicht allen Menschen zugestanden.
Unter dem Begriff Queer versammeln sich lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche, nicht-binäre und weitere queere Menschen. Queere Menschen leben überall, auch im Landkreis Teltow-Fläming. Sie sind Teil unserer Familien, unserer Schulen, unserer Arbeitsplätze, unserer Vereine und unserer Nachbarschaften. Trotzdem erleben viele queere Menschen weiterhin Gewalt, Bedrohung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Unsicherheit.
Um darauf aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren, gibt es jedes Jahr die Christopher-Street-Day-Demonstrationen, kurz CSD.
In dem Zusammenhang fand in unserem Landkreis vom 11. bis 19. September eine Pride-Woche statt. Zu deren Auftakt wurde im Beisein unseres Kreistagsfraktionsvorsitzenden Felix Thier die Regenbogenfahne vor dem Kreishaus in Luckenwalde gehisst. Landrätin Kornelia Wehlan (Die Linke) und der Erste Beigeordnete Michael Grunst setzten damit gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung. Die Veranstaltung fand mit der Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragten des Landkreises sowie einigen Bürger*innen statt.
Höhepunkt der Pride-Woche war sicherlich der erste CSD in Jüterbog, an dem mehrere hundert Menschen teilnahmen und bunt, fröhlich, sowie sicht- und hörbar vom Jüterboger Bahnhof zum Rathaus und zurück durch die Jüterboger Innenstadt zogen.
Die auf dem CSD vorgebrachten sechs Forderungen sollen hier kurz erwähnt werden.
Als Erstes wurde eine queere Beratungsstelle im Landkreis gefordert. Diese Stelle soll queeren Menschen aller Altersgruppen sowie ihren Angehörigen und Bezugspersonen eine verlässliche Anlaufstelle bieten und sie bei individuellen, rechtlichen und sozialen Herausforderungen unterstützen. Ziel sei, queere Menschen im Landkreis zu stärken, Diskriminierung abzubauen und eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
Zusätzliche zur Gleichstellungsbeauftragten brauche der Landkreis eine Queer-beauftragte Person. Diese Person soll als zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für queere Menschen, Initiativen, Vereine, Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und die Kreisverwaltung dienen.
Weil sich im Dezember 2024 im Kreistag die beiden Fraktionen CDU/Bauernverband/VUB/FDP und AfD einig waren und gemeinsam abstimmten, gilt seitdem ein Gender-Verbot für die Verwaltung des Landkreises. Die Abschaffung des Gender-Verbotes war daher eine weitere Forderung des CSD. Eine öffentliche Verwaltung trage besondere Verantwortung. Sie soll für alle Menschen da sein. Dazu gehöre auch, dass Mitarbeitende die Möglichkeit haben, respektvoll und diskriminierungssensibel zu kommunizieren. Ein pauschales Verbot setze hier das falsche Zeichen und vermittle gleichzeitig den Eindruck, dass geschlechtliche Vielfalt in der öffentlichen Verwaltung unerwünscht sei.
Der Landkreis soll seine Haltung zu queeren Menschen auf seiner Webseite sichtbar, klar und dauerhaft darstellen. Dazu gehöre eine klare Positionierung gegen Queerfeindlichkeit, die Benennung von Ansprechpersonen sowie Hinweise auf Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Der Landkreis soll sich für die Aufnahme von sexueller und geschlechtlicher Identität in Artikel 3 Abs. 3 des Grundgesetzes einsetzen und so dafür sorgen, dass beides vor Diskriminierung geschützt wird.
Die letzte Forderung ist die Förderung queerer Jugendarbeit. Das Jugendamt des Landkreises sowie alle Träger der freien Jugendhilfe sollen bedarfsgerechte, niedrigschwellige und dauerhaft finanzierte Angebote für queere Jugendliche schaffen und ausbauen. Es brauche verlässliche Anlaufstellen und Strukturen, die das ganze Jahr über erreichbar seien.
Für unsere Fraktion nahm deren Vorsitzender, Felix Thier, diese Forderungen auf dem CSD in Jüterbog schriftlich entgegen. Wir als Fraktion fühlen uns den Punkten verpflichtet und werden uns für eine Umsetzung einsetzen.
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