Pogromgedenken: Unsere Geschichte, die zum mahnenden Erinnern verpflichtet
Zwischen dem 7. und 13. November 1938 wurden im gesamten damaligen Reichsgebiet mehrere hundert Jüdinnen und Juden ermordet. Schätzungen beziffern die Gesamtzahl der jüdischen Opfer der Pogrome auf 1.000 bis 2.000. Um die 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume jüdischer Menschen sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden gestürmt und zerstört.
Zwischen dem 10. und 13. November folgten Deportationen jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Mindestens 30.000 Menschen wurden dabei inhaftiert, Hunderte starben an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen oder wurden hingerichtet.
Die Pogrome von 1938 markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Jüdinnen und Juden ab 1933 hin zu ihrer systematische Verfolgung, Vertreibung und Ermordung.
Die im Straßenpflaster zahlreicher Städte und Gemeinden in ganz Deutschland verlegten Stolpersteine erinnern an die Schicksale dieser Menschen. Unserer Mitbürger*innen, Nachbarinnen und Nachbarn.
Alljährlich am 9. November findet daher Gedenken und mahnende Erinnerung statt. So auch bei uns im Landkreis. Am 9. November haben wir in Jüterbog ein deutliches Zeichen des Erinnerns gesetzt. Um 14:00 Uhr trafen wir uns, um anlässlich des Pogromgedenktages die sechs Stolpersteine der Stadt zu reinigen – zwei in den Weinbergen (Familie Korn) und vier in der Mönchenstraße (Familie Joel). Sorgfältig polierten wir die Messingplatten, damit die Namen der einst hier lebenden Menschen wieder klar sichtbar werden. Mit weißen Rosen gedachten wir ihrer Schicksale und machten zugleich bewusst, dass hinter jedem Stein ein individuelles, ausgelöschtes Leben steht.
Die gemeinsame Aktion brachte nicht nur die Steine zum Glänzen, sondern auch die Bedeutung dieses Tages ins Bewusstsein zurück: Erinnerung bleibt nur lebendig, wenn wir sie aktiv bewahren. Nach dem Gedenken kamen wir im Roten Treff zusammen, um den Sonntagnachmittag bei Kaffee und Gesprächen ausklingen zu lassen.
Das Zusammensein bot Raum für Austausch über Geschichte, Verantwortung und das Miteinander in unserer Stadt. Unsere kleine Runde zeigte, dass Engagement im Alltag beginnt – im achtsamen Blick auf die Spuren der Vergangenheit und im entschlossenen Auftreten für eine offene, menschenwürdige Gesellschaft.
In einigen Orten werden die verlegten Stolpersteine geputzt, woanders werden Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet, an anderen Orten werden neue Steine verlegt. So oder so wird an die Ereignisse von vor 87 Jahren erinnert. Und gemahnt, um es nie wieder geschehen zu lassen.
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