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S. Krüßmann
Robert Kosin spricht auf der Demonstration.
Das Foto zeigt Robert Kosin, wie er auf der Demonstration in ein Mikrofon spricht.

Robert Kosin, Geschäftsführer des Kreisverbandes

Keine Militarisierung des Gesundheitswesens!

Als Altenpfleger sehe ich tagtäglich, wie unser Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. Wir stemmen uns gegen Überlastung, Personalmangel und Bürokratie – für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Doch während wir in den Heimen und Kliniken um jedes bisschen Würde ringen, kündigt sich eine neue Bedrohung an: die Militarisierung des Gesundheitswesens.

Unter dem Vorwand der Krisenvorsorge werden immer mehr Ressourcen in die „Sicherstellung von Versorgung im Katastrophenfall" gesteckt – und damit in Strukturen, die eng mit Bundeswehr, Katastrophenschutz und zivil-militärischen Kooperationen verzahnt sind. Bundeswehrkrankenhäuser werden modernisiert, Reservisten für die Pflege ausgebildet, und in einigen Bundesländern prüfen Politiker*innen bereits gemeinsame Einsatzübungen von Soldat*innen und Pflegepersonal.

Auf den ersten Blick klingt das harmlos: „Für den Notfall gewappnet" – wer will das nicht? Doch der Blick hinter die Schlagzeilen offenbart die Konsequenzen. Ressourcen, die dringend für die Entlastung des Personals, bessere Bezahlung, Weiterbildung und die dringend nötige Personalaufstockung gebraucht werden, fließen in Drill, Hierarchie und militärische Logistik. Pflegekräfte werden zu Rädchen in einer Maschinerie, deren Hauptzweck nicht das Wohl der Menschen ist, sondern die Kriegsbereitschaft des Staates.

Für die Pflegekräfte heißt das: Weniger Zeit für die Menschen, die ihnen täglich anvertraut sind. Weniger Raum für Mitgefühl, mehr Struktur, Kontrolle und Überwachung. Die Pflege wird instrumentalisiert. Und wir dürfen nicht vergessen: Militärische Logik kennt keinen Raum für sanfte, einfühlsame Versorgung. Menschen werden planbar, standardisierbar, berechenbar – anstatt echte Lebensqualität zu sichern.

Wir müssen uns fragen: Wollen wir ein Gesundheitssystem, das auf Drill und Kriegstüchtigkeit basiert, oder eines, das auf Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität beruht? Wir brauchen kein militärisches Gesundheitssystem, wir brauchen Personal, Zeit und Ressourcen für echte Pflege. Wir brauchen Prävention, gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne – kein Heer auf Krankenhausfluren.

Es ist an der Zeit, dass wir laut werden. Als Pflegekräfte, als Bürger*innen, als linke Stimme im Land. Wir müssen die Militarisierung stoppen, bevor sie die Seele unserer Gesundheitsversorgung zerstört. Die Gesundheitsversorgung darf kein Sicherheitsinstrument des Staates sein – sie ist ein humaner Auftrag.


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