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4. Januar 2018

Propaganda gegen die „diffuse Scheu“: Bundeswehr wirbt im Videospiel-Stil für Auslandseinsätze

Norbert Müller

Die Bundeswehr hat eine neue digitale Spielwiese. Die youtube-Serie „Mali“ zeigt acht Soldat_innen vor, während und nach ihrem Einsatz in der mehr als umstrittenen UN-Mission. Ziel ist es laut Bundeswehr, die „diffuse Scheu“ vieler Menschen und vor allem potenzieller Rekrut_innen vor Auslandseinsätzen abzubauen. Diese seien „ganz selbstverständlicher Bestandteil unserer heutigen Parlamentsarmee“, schreibt Verteidigungsministerin von der Leyen in einem Brief an alle Abgeordneten zum Start der Serie. Beigefügt ist eine Broschüre, die eher ein neues Videospiel zum Thema zu haben scheint, als die Aufklärung über den Soldatenberuf.

Wie verzweifelt die Truppe um Nachwuchs wirbt, zeigt auch die Einbindung weiterer SocialMedia-Kanäle: Facebook, Instagram, Snapchat – auf keiner Plattform darf Rekrutierung fehlen. Im Facebook-Messenger können sich Interessierte sogar mit einem SocialBot über die Serie und die Bundeswehr im Allgemeinen unterhalten. Ein SocialBot ist ein Computerprogramm, das einen echten Gesprächspartner vortäuscht, dabei aber auf ein bestimmtes Kommunikationsziel ausgerichtet ist. Der Bot ist dazu konzipiert, mit den Usern zu chatten und sie auf dem Laufenden rund um die Kriegsserie zu halten. Dabei wird das Gegenüber konsequent mit „Kamerad [Nachname]“ adressiert. Wie in einem Planspiel werden dann sukzessive Inhalte angefüttert. Von Kartenmaterial über Homestories mit den Protagonist_innen des youtube-Formats ist alles dabei. In dieser Schnitzeljagd mit realem Hintergrund soll vermittelt werden, wie gut vorbereitet die Truppe doch für derartige Einsätze ist und dass es wirklich, wirklich wichtig ist, dass Deutschland hier vor Ort sei – Propaganda im hippen Gewand.

Dass all die Vorbereitung wenig nutzt, wenn unter den malischen Extrembedingungen die Technik versagt, illustrierte der Hubschrauberabsturz im Juli auf tragische Art und Weise. Dieser fand während der Dreharbeiten statt und soll - so die Ankündigung via SocialBot - auch in der Serie thematisiert werden. Dass dies auf eine angemessene Art und Weise geschieht, ist angesichts der bisherigen PR-Strategie der Bundeswehr jedoch stark zu bezweifeln. So mussten die beiden bei dem Unfall gestorbenen Soldaten bisher lediglich dafür herhalten zu illustrieren, wie gefährlich der Einsatz doch ist.

Im Mali befinden sich deutsche Truppen zurzeit in zwei Einsätzen. So werden im Rahmen von EUTM somalische Einheiten von bis zu 350 deutschen Soldat_innen ausgebildet. Im Rahmen des UN-Mandats MINUSMA sollen bis zu 1.000 deutsche Soldat_innen die Region „stabilisieren“. Grundlage hierfür ist ein Friedensvertrag zwischen dem malischen Staat und einigen wenigen der unzähligen Rebellengruppen im Norden des Landes.

Norbert Müller, Mitglied des Bundestages