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Katharina Claus
Annelies Englert, Verfolgte des Naziregimes

Interview

Nie wieder Krieg!

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages und zu der ungeheuerlichen Tatsache, dass man dem Verein der Verfolgten des Naziregimes, VVN-BdA, die Gemeinnützigkeit aberkennen will, sprachen Genossin Angelika Linke (Text) und Genossin Katharina Claus (Foto) mit Genossin Annelies Englert, Verfolgte des Naziregimes. Annelies Englert erlaubte uns Einblicke in ihr bewegtes Leben, das viele Jahre von Angst und Verfolgung geprägt war.

Genossin Englert, bitte erzähle uns doch von Dir.

Ich bin am 4. Oktober 1923 in Wallroda bei Radeburg geboren. Meine Eltern waren seit ihrer Gründung Mitglieder der KPD. Wir sind dann nach Reichenau bei Zittau gezogen, dort ging ich zur Schule. Im April 1933 wurde ich mit neun Jahren das erste Mal, einen Tag nach meiner Mutter, verhaftet. Mein Vater befand sich zu der Zeit in Tschechien in der Emigration. Jeden Tag wurde ich mit Bewachung zur Schule gebracht, danach wieder zurück ins Waisenhaus, um dort zu arbeiten.

Wann durftest Du denn wieder nach Hause?

Weihnachten waren Mutter und ich wieder vereint, aber nicht lange. 1934 war Mutters nächste Verhaftung Nach ihrer Entlassung gelang Mutter und mir die Flucht nach Tschechien, wo wir einige Jahre in der Emigration lebten, ich weiter zur Schule gehen konnte und sogar einen Abschluss an der Handelsschule machte (der mutige Direktor dort hatte sich für mich verwendet). 1938 marschierten die Deutschen Truppen in Tschechien ein.

Ihr wart nun in Gefahr?

Ja, durch die Gestapo wurde ich als 16-Jährige ein zweites Mal verhaftet. Einige Zeit nach meiner Entlassung heiratete ich, um meinen Namen zu ändern, einen Sudetendeutschen und hieß nun Neuhäuser. Mutter und ich hatten das Glück mit dem sogenannten Schukow-Transport 1941 (?) nach Heiligenstadt im Eichsfeld in Deutschland zu gelangen.

Hattest Du über all die Jahre Informationen über Deinen Vater?

Mein Vater war 1934 wieder verhaftet und durchlebte furchtbare Stationen seines Lebens. Er verbrachte viele Jahre im Zuchthaus Waldheim in Sachsen, in Berlin-Plötzensee, im KZ Esterwegen an der holländischen Grenze (»Die Moorsoldaten«) und dann in einem Gefangenenlager in Tromsö in Norwegen. Dort wurde er 1944 erschossen.

Ein norwegischer Student nahm vor einigen Jahren Kontakt zu mir auf und berichtete von einem Projekt zur Pflege dieser Gräber, schickte mir Bilder vom Friedhof, den der Staat Norwegen angelegt hatte, und dem Grabstein meines Vaters. Das tat mir gut. Am liebsten würde ich einmal dorthin fahren … Aber ich bin zu alt.

Liebe Annelies, wie erging es Dir nach dem Ende des 2. Weltkrieges?

Ich lies mich scheiden, fand in Heiligenstadt in der Kreisleitung Arbeit und lernte dort auch meinen zukünftigen Mann, Louis Englert, kennen. Auch er hatte eine Zeit voller Entbehrungen hinter sich, verbrachte u. a. sechs Jahre im KZ Esterwegen. Seine Gesundheit war stark angeschlagen. Durch einen Tipp – die Luft wäre dort so gut – verschlug es uns Anfang der 1950er Jahre nach Ludwigsfelde. Dort kamen wir endlich zur Ruhe, wir heirateten, erwarben ein Häuschen. Louis starb 1997.

Ich selbst habe bis zum 13. August 1961 in Berlin beim Rundfunk gearbeitet, im Tiefbau Ludwigsfelde als Sekretärin und in der Personalabteilung. Viele Jahre war ich Schöffin am Kreisgericht Zossen und habe bis ins hohe Alter für unsere Partei die Beiträge kassiert.

Dass Du immer noch an allem sehr interessiert bist, weiß ich von unseren Gesprächen …

Was auf der Welt so alles passiert – davon ist vieles erschreckend, menschenverachtend. Aber ich bin sehr froh, dass es auch immer wieder Menschen gibt, die sich dagegen wehren. Ich hoffe, dass diese Leute nicht den Mut und die Kraft verlieren.

Liebe Annelies, wir könnten uns noch ganz lange unterhalten, danken Dir für das heutige Gespräch und wünschen Dir persönlich alles Gute, viel Gesundheit und Lebensfreude.

Danke, ich lese auch immer noch die Zeitung. Nur die Knochen tun mir weh! Aber ich bin ja bald 97 Jahre.


Parteimitglied werden kann man hier.

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Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages und zu der ungeheuerlichen Tatsache, dass man dem Verein der Verfolgten des Naziregimes, VVN-BdA, die Gemeinnützigkeit aberkennen will, sprachen Genossin Angelika Linke (Text) und Genossin Katharina Claus (Foto) mit Genossin Annelies Englert, Verfolgte des Naziregimes. Annelies Englert erlaubte uns Einblicke in ihr bewegtes Leben, das viele Jahre von Angst und Verfolgung geprägt war.

Genossin Englert, bitte erzähle uns doch von Dir.

Ich bin am 4. Oktober 1923 in Wallroda bei Radeburg geboren. Meine Eltern waren seit ihrer Gründung Mitglieder der KPD. Wir sind dann nach Reichenau bei Zittau gezogen, dort ging ich zur Schule. Im April 1933 wurde ich mit neun Jahren das erste Mal, einen Tag nach meiner Mutter, verhaftet. Mein Vater befand sich zu der Zeit in Tschechien in der Emigration. Jeden Tag wurde ich mit Bewachung zur Schule gebracht, danach wieder zurück ins Waisenhaus, um dort zu arbeiten.

Wann durftest Du denn wieder nach Hause?

Weihnachten waren Mutter und ich wieder vereint, aber nicht lange. 1934 war Mutters nächste Verhaftung Nach ihrer Entlassung gelang Mutter und mir die Flucht nach Tschechien, wo wir einige Jahre in der Emigration lebten, ich weiter zur Schule gehen konnte und sogar einen Abschluss an der Handelsschule machte (der mutige Direktor dort hatte sich für mich verwendet). 1938 marschierten die Deutschen Truppen in Tschechien ein.

Ihr wart nun in Gefahr?

Ja, durch die Gestapo wurde ich als 16-Jährige ein zweites Mal verhaftet. Einige Zeit nach meiner Entlassung heiratete ich, um meinen Namen zu ändern, einen Sudetendeutschen und hieß nun Neuhäuser. Mutter und ich hatten das Glück mit dem sogenannten Schukow-Transport 1941 (?) nach Heiligenstadt im Eichsfeld in Deutschland zu gelangen.

Hattest Du über all die Jahre Informationen über Deinen Vater?

Mein Vater war 1934 wieder verhaftet und durchlebte furchtbare Stationen seines Lebens. Er verbrachte viele Jahre im Zuchthaus Waldheim in Sachsen, in Berlin-Plötzensee, im KZ Esterwegen an der holländischen Grenze (»Die Moorsoldaten«) und dann in einem Gefangenenlager in Tromsö in Norwegen. Dort wurde er 1944 erschossen.

Ein norwegischer Student nahm vor einigen Jahren Kontakt zu mir auf und berichtete von einem Projekt zur Pflege dieser Gräber, schickte mir Bilder vom Friedhof, den der Staat Norwegen angelegt hatte, und dem Grabstein meines Vaters. Das tat mir gut. Am liebsten würde ich einmal dorthin fahren … Aber ich bin zu alt.

Liebe Annelies, wie erging es Dir nach dem Ende des 2. Weltkrieges?

Ich lies mich scheiden, fand in Heiligenstadt in der Kreisleitung Arbeit und lernte dort auch meinen zukünftigen Mann, Louis Englert, kennen. Auch er hatte eine Zeit voller Entbehrungen hinter sich, verbrachte u. a. sechs Jahre im KZ Esterwegen. Seine Gesundheit war stark angeschlagen. Durch einen Tipp – die Luft wäre dort so gut – verschlug es uns Anfang der 1950er Jahre nach Ludwigsfelde. Dort kamen wir endlich zur Ruhe, wir heirateten, erwarben ein Häuschen. Louis starb 1997.

Ich selbst habe bis zum 13. August 1961 in Berlin beim Rundfunk gearbeitet, im Tiefbau Ludwigsfelde als Sekretärin und in der Personalabteilung. Viele Jahre war ich Schöffin am Kreisgericht Zossen und habe bis ins hohe Alter für unsere Partei die Beiträge kassiert.

Dass Du immer noch an allem sehr interessiert bist, weiß ich von unseren Gesprächen …

Was auf der Welt so alles passiert – davon ist vieles erschreckend, menschenverachtend. Aber ich bin sehr froh, dass es auch immer wieder Menschen gibt, die sich dagegen wehren. Ich hoffe, dass diese Leute nicht den Mut und die Kraft verlieren.

Liebe Annelies, wir könnten uns noch ganz lange unterhalten, danken Dir für das heutige Gespräch und wünschen Dir persönlich alles Gute, viel Gesundheit und Lebensfreude.

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