Politik in Elternzeit - kinderleicht?
"Baby und Politik? Kein Problem, ich gehe ja nicht arbeiten." Mit dieser Einstellung erwarteten wir freudig die Geburt unserer Tochter und ahnten noch nicht, dass es einer gehörigen Menge an Organisationsvermögen, gegenseitiger Unterstützung und persönlichem Verzicht bedarf, um Kind und Politik unter einen Hut zu bekommen.
Da wären beispielsweise die vielen und teilweise langen Sitzungszeiten von Stadtverordnetenversammlung, Kreistag, Ausschüssen, Kreisvorstand und Basisorganisation, die je nach Laune unserer Tochter mit ihr oder ohne sie stattfinden.
So z.B. die Sitzung des Ausschusses für Regionalentwicklung und Bauplanung des Kreistages, die einmal monatlich in Luckenwalde stattfindet. Um daran teilnehmen zu können, obwohl mein Mann arbeitet und die Kleine noch gestillt wird, planten wir den ersten dieser Abende so, dass er nachkommt und auf unsere Kleine aufpasst während ich am Ausschuss teilnehme. Für die Hinfahrt nutze ich vorzugsweise die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖPNV), da es für Babys nicht gut ist, länger als 20 Minuten in der Babyschale zu sitzen. Es gibt da nur ein paar kleine Hürden: 1. Meine Ankunft richtet sich nach den Buszeiten, nicht nach meinem Willen. Ich muss also in Kauf nehmen, dass ich mich verspäten werde. 2. Der letzte Bus zurück nach Zossen fährt bereits gegen 16 Uhr, spätere Rückfahrten ließen sich per Bahn lediglich über Ludwigsfelde oder gar Berlin realisieren oder eben motorisiert. Wehe dem, der da kein Auto hat! Die Rückfahrt sollte dann besser doch mit dem Auto erfolgen. Bleibt 3. noch der Anspruch an den ÖPNV auf Barrierefreiheit umgerüstet zu sein und somit genügend Platz für einen Kinderwagen bieten sollte.
Die erste praktische Umsetzung erlebten wir Anfang März. Insgesamt klappte alles hervorragend, nur eine Überraschung zu Beginn meiner Fahrt hielt der ÖPNV für mich bereit: Der Linienbus nach Luckenwalde ist kein Niederflurbus. So musste der Kinderwagen erstmal einige Stufen und mittels Hilfe von Mitfahrenden nach oben befördert werden. Dort stellte ich fest, dass der Gang nicht breit genug für den Wagen war; die Räder hatten keinen Halt und der Wagen drohte zur Seite weg zu kippen, da eilte der Fahrer aber schon zur Stelle und half mir, den Wagen sicher zu platzieren.
In Luckenwalde angekommen überraschte mich mein Mann, der mir beim Heraustragen des Wagens half und sich direkt um die Kleine kümmerte. So konnte ich mich auf den Ausschuss konzentrieren und nach etwa drei Stunden sah ich beide im Foyer des Kreishauses wieder. Nun konnten wir gemeinsam die Rückfahrt antreten.
Wie wäre der Abend verlaufen, wenn mich mein Mann nicht unterstützt hätte? Vermutlich ähnlich wie am 11.02. An diesem Tag fand der Wirtschaftsausschuss in Luckenwalde statt, parallel jedoch auch der Finanzausschuss in Zossen, an dem mein Mann als sachkundiger Einwohner teilnahm, so dass ich am Wirtschaftsausschuss teilnehmen konnte. So der Plan, die Praxis eine andere: Während die Kleine die ersten eineinhalb Stunden gut mitmachte, versagte ab dem Moment, als die die Haushaltsdebatte eröffnet wurde, ihre Geduld. Auch das zwischenzeitliche Stillen stimmte sie nicht wieder froh, so dass ich nach fast drei Stunden unverrichteter Dinge wieder abreisen musste - mit dem Auto natürlich.
Was haben wir daraus gelernt? Zunächst mag die Kleine ungern an abendlichen Sitzungen in hellen Räumen teilnehmen. Außerdem funktioniert politisches Engagement in Elternzeit für die Eltern eben nur dann, wenn mensch sich die Aufgaben aufteilen kann. Des Weiteren: die Anbindungen an die Kreisstadt sind eindeutig verbesserungswürdig, nicht nur was die Fahrzeiten angeht sondern vor allem die Barrierefreiheit! Um das anzugehen werde ich auch zukünftig politisch aktiv sein, auch wenn das einiger Organisation bedarf. Wie auch dieser Artikel zeigt, der während der Schlaf- und Stillphasen meiner Tochter entstand.
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