"Freiwillige" Aufgabe Kinder- und Jugendarbeit? Weniger Kinder und Jugendliche - weniger Geld?!
Unter dem Aspekt der abnehmenden Anzahl von Kindern und Jugendlichen könnte man es sich leicht machen und entsprechend auch die Finanzen kürzen. Doch die Probleme in der offenen Kinder- und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit nehmen nicht ab – sie verstetigen sich mit neuer Qualität.
Festzustellen ist eine immer frühzeitiger (6–7-Jährige) einsetzende Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und eine immer weniger ausgeprägte Konfliktlösungskompetenz, die sich in Gewalt und aggressivem Verhalten äußert. Regeln für ein einvernehmliches Zusammenleben untereinander oder gegenüber Erwachsenen sind bei vielen Kindern unbekannt oder nicht akzeptiert. Steigend ist die negative Qualität und Intensität von Aggressivität und erhöht sich weiter im Jugendalter.
Der Integration dieser Kinder und Jugendlichen, insbesondere der sozial Benachteiligten, und der Prävention gegen alle Formen von Gewalt ist noch stärkere Aufmerksamkeit zu widmen. Ein enges und koordiniertes Zusammenwirken von offener Kinder- und Jugendarbeit, Schule und Kindereinrichtungen ist notwendig.
Hier ist auch die Politik gefordert, insbesondere um die notwendigen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Zwar werden sich die personellen Bedingungen bis 2015 nicht verändern, doch zum Personal gehören auch immer Sach- und Betriebskosten. Der Versuch vom Jugendamt, 2012 die Förderung der Sach- und Betriebskosten um 50 Prozent zu kürzen, scheiterte am Widerstand besonders der südlichen Region des Landkreises.
Der dann gefundene Kompromiss, gestaffelt jeweils in 25-Prozent-Schritten 2013 und 2014 zu kürzen, tut besonders den finanzschwachen Trägern sehr weh. Diese oder die Kommunen müssen diesen Anteil verpflichtend kompensieren, sonst bekommen sie auch die anteilige Förderung vom Kreis nicht. Es stellt sich die Frage, ob die so jährlich eingesparten ca. 30.000 Euro die Einschnitte in Qualität und Umfang der sozialen Arbeit wert sind.
Nebenbei bemerkt: In den vergangenen Jahren wurden durch unterschiedliche Faktoren mehr als diese 30.000 Euro jährlich in diesem Fachbereich im Kreis nicht ausgegeben. Hier sehe ich Aufgaben für die Arbeit der neuen Kreistagsfraktion.
Felix Thier, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport
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