25 Jahre danach ...
„…Mit einer völlig neuen Mannschaft in unserem Kreis Jüterbog haben wir die Kreisdelegiertenkonferenz am 3.12.1989 vorbereitet und ich kann euch sagen, (…), die Konferenz verlief so widerspruchsvoll, dass sie mehr Mut nahm als Mut gab. (…) die nächste Etappe begann für mich (…) mit meiner Wahl zum Sonderparteitag, auf dem ich dann (…) auch als Mitglied des Parteivorstandes gewählt wurde. (…), bisher habe ich jede Aufgabe übernommen, wo (…) die Basis der Meinung war, dass ich diese Aufgabe erfüllen kann. (…), ich möchte sagen, die Formierung meiner Kreisparteiorganisation, die Arbeit hier im Bezirksausschuss, meine Mitarbeit in der Kommission Politisches System und die Funktion im Parteivorstand forderten mich bis an die Grenze der Belastung. (…) ich bin ganz ehrlich, damit begann eigentlich die letzte Etappe für mich. Ich fühlte mich nicht mehr sicher, ob nach den Rufen nach neuen Gesichtern meins überhaupt noch gewollt ist. (...) Im Klartext (…), ich wollte kneifen. (…), denn täglich musste ich Optimismus ausstrahlen meinen Mitarbeitern gegenüber (…) die plötzlich auf der Straße liegen sollten. Ich musste Mut machen, Jungen wie Alten, obwohl ich selbst keinen mehr hatte. (…) an diesem 3. Februar 1990 war für mich klar, kneifen geht nicht. Ich hatte eineinhalb Jahre vorher versprochen, alles zu tun, um im Kreis etwas zu bewegen (…) Also stellte ich mich zur Wahl und ich wurde zur Vorsitzenden gewählt. (…) Aus unseren 200 Grundorganisationen sind jetzt 66 völlig neue Parteiorganisationen entstanden. Ausgehend davon, dass sich Menschen und Ideen nicht einfach auflösen lassen, haben sich viele, vor allem jungen Genossinnen und Genossen gefunden, auch in Jüterbog die PDS zu formieren (…)“ (Auszug aus dem Diskussionsbeitrag auf der 1. Bezirksdelegiertenkonferenz der PDS Potsdam am 11.2.1990 – Maritta Böttcher war ab September 1988 1. Sekretär der SED-Kreisleitung, ab Januar 1990 Vorsitzende der PDS-Kreisorganisation Jüterbog)
Es war folgerichtig, dass ich am 6. Mai 1990 zur Kommunalwahl als Spitzenkandidatin im Wahlkreis 1 für den Kreistag Jüterbog antrat. Wir hatten den dritten Platz belegt, das war toll. Nach der SPD mit 17 Mandaten (wovon zwei nicht besetzt werden konnten) und der CDU mit 13 Mandaten konnten wir, die PDS, mit neun Mandaten in den Kreistag einziehen. Das Neue Forum errang fünf Mandate, der Bund Freier Demokraten vier, der Bauernverband drei, die Demokratische Bauernpartei drei sowie der Demokratische Frauenverband ein Mandat.
Jedoch war am 11. Mai 1990 alles für mich und meine Familie nebensächlich geworden. Unser geliebter Sohn Jan starb mit acht Jahren nach einem Verkehrsunfall. Ich wollte und konnte nicht mehr. Aber ich hatte keine Wahl, meine Tochter Katrin und mein Mann Gert brauchten mich mehr denn je. Doch dann suchte ich Ablenkung und stürzte mich in die Arbeit. Es half nur bedingt.
Zur Konstituierung des Kreistages Jüterbog am 28.5.1990 im Karl-Marx-Saal, im Rat des Kreises wurden Siegfried Jausch (SPD) zum Landrat und Werner Meyer (CDU) zum Präsidenten des Kreistages gewählt.
Mit der Kreisneugliederung wurde ich ebenfalls als Spitzenkandidatin im Dezember 1993 in den neuen Kreistag Teltow-Fläming gewählt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, Kommunalpolitik ist das Herzstück aller Parteiarbeit. Hier kann man etwas bewegen!
Ich war viele Jahre Fraktionsvorsitzende, war Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses mit sehr guten Erfolgen. Das gefiel offenbar der SPD nicht und mit einem Streich wurde ich nicht wieder gewählt als Vorsitzende. Ich habe über ein Jahr als Kreistagsvorsitzende amtiert, als der Amtsinhaber, Klaus Bochow, schwer erkrankte und starb. Ich bin jetzt stellvertretende Fraktionsvorsitzende, 1. Stellvertretende Vorsitzende des Kreistages sowie Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Soziales. Diese Funktionen sind nur Ausdruck und Beleg dafür, dass ich für die Kommunalpolitik brenne und viel Freude damit habe. Ich bin also jetzt bereits 25 Jahre im Kreistag tätig und ich denke nicht daran, demnächst aufzuhören!
Für die Partei DIE LINKE bin ich neben meiner Arbeit in der Bundesschiedskommission für die Kommunalpolitik zuständig. Das füllt mich aus und macht Spaß!
Kontakt zur Fraktion:
Fraktion Die Linke-Die PARTEI-PDS
im Kreistag Teltow-Fläming
Rudolf-Breitscheid-Straße 19
14943 Luckenwalde
Telefon: (03371) 63 22 67
E-Mail an die Fraktion
