5. Februar 2018

Gute Ausbildung für alle: Mindestausbildungsvergütung einführen

Dr. Andreas Bernig

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Immer mehr Betriebe suchen händeringend Auszubildende, die Wege zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule werden immer länger, Auszubildende sind heute im Durchschnitt zwischen 19 und 22 Jahre alt, leben selbstständig und nicht mehr in der elterlichen Wohnung.

Auf Initiative unserer Fraktion hat sich der Landtag mit dem Thema Ausbildung beschäftigt. Im Mittelpunkt der Debatte standen die Ausbildungsvergütung und unsere Forderung nach einer gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung. Denn die Vergütung in der Berufsausbildung ist sehr differenziert geregelt. Auszubildende brauchen eine Ausbildungsvergütung, die ein eigenständiges Leben ermöglicht. In vielen Branchen gibt es Tarifverträge, die die Höhe regeln, aber nicht in allen. Die Folge: Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist höchst unterschiedlich und nicht in jedem Fall existenzsichernd. Nach wie vor gibt es ein Ost-West-Gefälle. In Ostdeutschland beträgt die Vergütung ca. 92 Prozent des Westniveaus.

Eine Umfrage der DGB Jugend Berlin-Brandenburg besagt, dass ein Drittel der Befragten eine Ausbildungsvergütung von unter 500 Euro erhält. Über diesen Missstand täuscht auch nicht der azubi.report 2017 hinweg, der die Durchschnittsvergütung mit 729 Euro für männlich dominierte Berufe und 621 Euro für weibliche dominierte Berufe angibt - das sind 17 Prozent Unterschied! Eine gesetzlich geregelte Mindestausbildungsvergütung wäre also auch ein guter Beitrag für die Geschlechtergerechtigkeit. Mit der Einführung sollten wir nicht so lange warten wie beim gesetzlichen Mindestlohn!

Viele Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften. Aber von 54 Prozent der Betriebe, die ausbilden könnten, bilden nur 41 Prozent aus. Der DGB Berlin-Brandenburg spricht sogar nur von einem Fünftel der Betriebe, die ausbilden. Die Betriebe müssen also mehr in die Verantwortung genommen werden. Eine Ausbildungsumlage könnte das richtige Steuerungsinstrument sein, um Betriebe zur Ausbildung zu motivieren. Wer nicht ausbildet, obwohl er es könnte, der muss bezahlen! Der Brandenburger Ausbildungskonsens besagt, dass wir eine gute Ausbildungskultur wollen, dazu gehört auch eine angemessene Bezahlung von der man selbstständig leben kann und die auch die DGB-Jugend schon seit langem fordert.

Bildungs- und Ausbildungschancen dürfen weder vom Wohnort der Eltern noch von ihrem sozialen Status abhängen. Letztendlich belasten zu niedrige Ausbildungsvergütungen und dementsprechende Ansprüche auf ergänzende Leistungen die öffentlichen Haushalte und sind keine Motivation für die Jugendlichen für gute Ausbildungsleistungen.

Siehe auch: Drucksache 6/7956; Videostatement

Dr. Andreas Bernig, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag Brandenburg