18. März 2018

Dr. Käthe Vogeler-Seelig verstorben

Dr. Käthe Vogeler-Seelig (Foto: Claus)

Die Mitglieder des Ortsverbandes Rangsdorf der Partei DIE LINKE und die vielen Sympathisant*innen trauern um unsere verehrte und hochgeschätzte Genossin Dr. Käthe Vogeler-Seelig, die kurz vor ihrem 103. Geburtstag friedlich eingeschlafen ist.

Es sind gerade einmal vier Wochen vergangen, seit auf ihren Wunsch einige Freunde und Genossen mit ihr in ihrer Wohnung über aktuelle politische Themen diskutierten, weil sie an den letzten Zusammenkünften nicht mehr teilnehmen konnte. Unglaublich für die Teilnehmer, wie geistig aufmerksam Käthe die Situation in Deutschland und in der Welt beurteilte und dazu ihre Meinung zum Ausdruck brachte.

Besorgt war sie über die Politik des US-amerikanischen Präsidenten Trump und die Politik der NATO, wo sie beängstigt auf heranreifende kriegerische Handlungen verwies. Sie sei immer mit offenen Augen und Ohren durch die Zeiten in der Welt gegangen und sei ihrer Gesinnung treu geblieben.

Mit Bewunderung halten wir heute Rückschau auf ihr bewegtes Leben. Nach der Befreiung vom Faschismus widmete sie sich ihrer beruflichen Entwicklung. Gleichzeitig beginnt auch ihre politische Tätigkeit. Käthe wird 1947 Mitglied der SED und beteiligt sich auf kulturellem Gebiet aktiv am Aufbau einer neuen Ordnung, eines neuen Staates, der sich soziale Gerechtigkeit, Völkerverständigung und eine friedliche Zukunft zum Ziel gesetzt hatte. Neben ihrem Beruf besucht sie an den Universitäten in Halle und Köln Vorlesungen im Fach Literaturgeschichte.

1955 beginnt sie ein Fernstudium an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig, erwirbt dort das Diplom für Theaterwissenschaft und unterrichtet zunächst als Assistentin, später mit abgeschlossener Promotion an der „Karl-Marx-Universität“ auch als Dozentin im Fach Ästhetik. Bezeichnend ist, dass viele ihrer ehemaligen Studentinnen und Studenten bis heute zu ihr Kontakt unterhalten haben. Käthe veröffentlichte zahlreiche Gedichte und publizierte mehrfach über das in 100 Jahren Erlebte. Zu einem ihrer Geburtstage schrieb sie einmal: „An solchen hohen Geburtstagen sollte man die Zeitung nicht aufschlagen um zu lesen, dass sich trotz aller gemachten Erfahrungen in einer Lebenszeit mit zwei Weltkriegen im Hinblick auf Gewalt und Ungerechtigkeit kaum etwas verändert hat.“.

Turbulente Zeiten hat sie immer mit offenen Augen und Ohren durchschritten, alle Lebenssituationen gemeistert und zu keiner Zeit, ob vor oder nach der Einheit, sich den Mund verbieten lassen. Sie hat sich immer für Recht, Gerechtigkeit und für ein menschliches Miteinander eingesetzt. Unter den Bedingungen des realen Kapitalismus, der seit der Einheit ohne das Korrektiv des realen Sozialismus seine Ziele national und international durchzusetzen versucht, forderte sie die Linken immer wieder auf, das einheitliche Handeln und nicht die Vielfalt von „Richtungen“ in den Vordergrund zu stellen. Und eigene Erfahrungen in Erinnerung rufend meinte sie: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit Geduld und Warmherzigkeit mehr bewirkt als mit unflexibler Härte, denkend, dass wir alle nur Menschen sind und unseren aufrechten Gang behalten wollen.“.

Sie verwies auch immer wieder auf die akute Gefahr von rechts und auf die gemachte Erfahrung von 1933, dass es leider im Kampf gegen rechts keine Einigkeit aller linken Kräfte gab. Das spüren wir leider in der tagtäglichen Politik.

Für Rangsdorf war Käthe als aktive Kulturschaffende eine Bereicherung. Im März 2015 wurde sie aus Anlass ihres 100. Geburtstages, geboren am 18.04.1915, mit der Verleihung der Rangsdorfer Ehrennadel geehrt.

Wir alle sind betroffen über den nicht erwarteten plötzlichen Tod unserer Käthe. Sie wollte unbedingt ihre „Lebenserinnerungen“ für die Kinder, Enkelkinder und die Nachwelt fertig schreiben. Sie fehlt uns. Wir werden ihrer gedenken und sie in guter Erinnerung behalten. 

Ortsverband Rangsdorf der Partei DIE LINKE