1. Dezember 2017

Aktueller Stand Geflüchtete im Landkreis Teltow-Fläming

Die vergangenen 2–3 Jahre waren durch steigende Flüchtlingszahlen geprägt. Alles war darauf ausgerichtet, Geflüchtete schnell unterzubringen. Nach der Einführung des Bundesintegrationsgesetzes im September 2016 war ein starker Rückgang der Zugangszahlen der Flüchtlinge zu verzeichnen. Die Zuweisungen Geflüchteter in den Landkreis sind seit dieser Zeit stärker durch Familiennachzug geprägt. Neben der Unterbringung der neu angekommenen Flüchtlinge in derzeit zwölf Übergangswohnheimen in Teltow-Fläming erhielten immer mehr Flüchtlinge ein Bleiberecht.

Zum Stichtag 30.11.2017 lebten 2.055 Geflüchtete im Landkreis, 1.271 von ihnen in einem von insgesamt zwölf Übergangswohnheimen. Davon erhalten 973 Personen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Insgesamt befinden sich 616 Personen im Asylverfahren und 366 Personen in der Duldung.

Nach dem Ankommen ist jetzt das Bleiben in den Fokus gerückt. Größte Herausforderungen sind dabei:

• Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum,
• fehlende Kitaplätze, bzw. Betreuung der Kinder während der Sprachkurse,
• fehlende Arbeitsangebote,
• passende Sprachkurssysteme,
• Fachkräfte, Dolmetscher, Sozialarbeiter,
• Mobilität im ländlichen Raum für Autolose und auch
• strukturierte Vor-Ort-Angebote.

Während 2015 und das erste Halbjahr 2016 sehr ausgeprägte Flüchtlingshelferstrukturen aufzuweisen hatte, konnte ab dem zweiten Halbjahr 2016 zunehmend eine Resignation bei den Helfern gespürt werden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Auch Ehrenamtliche haben mit den bereits genannten Herausforderungen zu kämpfen. An allen Orten fehlt es an erforderlichen Strukturen. Inzwischen haben einige Kommunen einen Flüchtlingskoordinator. Das ist sehr begrüßenswert. Sie sind wertvolle Unterstützung der Sozialarbeit in den Heimen, aber auch im Wohnumfeld.

Um die Integration der Zugewanderten und Flüchtlinge als echte Chance wahrzunehmen, müssen alle örtlichen Strukturen begleitet und unterstützt werden. Das schließt die Arbeit mit Einheimischen und Zugewanderten gleichermaßen ein.

Die Überwindung von Integrationsbarrieren, bedarf professioneller Unterstützung durch Beratungsstrukturen. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der interkulturellen Öffnung der Regeldienste und Behörden sowie ein Ausbau der interkulturellen Kompetenzen in allen Lebensbereichen. Es müssen zielgerichtete Maßnahmen vorgehalten werden, die zum Abbau von sprachlichen Barrieren und sonstiger Integrationshemmnisse beitragen.

Beispiele dafür sind:
• Unkenntnis über Strukturen und Ansprechpartner vor Ort (was ist wo zu finden, wer ist für was verantwortlich, wie funktioniert was),
• Anmeldung in Behörden, Kitas, Schulen, bei Ärzten, Banken etc.,
• Erwerb der deutschen Sprache,
• Unwissen über Unterstützungsmöglichkeiten der Verwaltungen, z. B. Jugendhilfe,
• Umgang mit der Aufnahmekultur,
• Unterbringung, Wohnungssuche,
• Unkenntnis über ausländerrechtliche Voraussetzungen,
• Berufseinstieg, Ausbildung, Anerkennung von Qualifikationen,
• Formulare nur in deutscher Sprache in Behörden, Ämtern, Kita, Schule, bei Ärzten etc.,
• Begegnung mit Alltagsrassismus in allen Bereichen des täglichen Lebens.

Auch wenn in den vergangenen Monaten einige Verbesserungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen in der Bundes- bzw. Landesgesetzgebung erfolgten, gibt es noch viele Bereiche, in denen Integrationshemmnisse vorhanden sind.

Die Geflüchteten haben sich an ihr örtliches Umfeld gewöhnt. Es haben sich soziale Kontakte mit den Einheimischen entwickelt und auch häufig Arbeit vor Ort gefunden. Besonders die Personen, die einen Aufenthaltstitel bekommen haben stehen vor der Frage, vor Ort bezahlbaren Wohnraum zu finden. Es macht für sie keinen Sinn, wenn sie z. B. in Großbeeren Arbeit im 3-Schicht-System gefunden haben, in eine Wohnung im Süden des Landkreises zu ziehen.

Politik, Verwaltung und auch Zivilgesellschaft sollten gemeinsam an den örtlichen Aufnahmebedingungen arbeiten und Bedingungen schaffen, die allen Zugewanderten und Einheimischen im Landkreis ein lebenswertes Miteinander ermöglichen.

Christiane Witt, Intergrationsbeauftragte des Landkreises Teltow-Fläming